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Workshop „Kunst der Verführung“

Datum: 20. April 2019.
Dauer: 1 ganzer Tag ca. 9-23 Uhr
Zielgruppe: vor allem Frauen, aber auch Männer und Paare
Ort: Zürich oder Basel (wird bis 1.2.2019 entschieden)

Am dritten April-Samstag, wenn der Frühling auftritt und die Knospen aufgehen, widmen wir uns der Verführung. Für den französischen Philosoph Jean Baudrillard hat „die gegenwärtige Omnipräsenz des Sexuellen die Verführung und damit auch die weibliche Privilegierung in Misskredit gebracht. […] In der Verführung wird mit dem Begehren gespielt und keine Triebabfuhr, kein finales Ereignis oder Endergebnis anvisiert.“* Die Verführung ist aber auch etwas, was im 21. Jahrhundert verloren ging, eine schöne geniale Erscheinung, die immer mehr in die Vergessenheit gerät. In der heutigen Welt, die von Produktion, Technologien und Wissenschaften dominiert wird, bleibt die Verführung eine Sehnsucht und wird von nostalgischen und sentimentalen Gefühlen begleitet. Auch die Altersfrage wird heute aktueller denn je: Wir leben zwar länger, aber je älter die Frau wird, desto schwieriger fällt es ihr, sich auf die Verführung einzulassen, und desto mehr Begehren verspürt der Mann, der doch noch verführt werden will, auch im Alter.

Die Verführung ist ein komplexes und ein ganzheitliches, integrales Phänomen. Wir stellen uns Fragen zu inneren und äußeren Aspekten dieser Kraft: Gibt es nur eine exklusive Verführung, oder kennen wir kollektive Muster, die immer und überall Platz haben? Ist die Verführung ein epochales oder ein kulturelles Phänomen? Gibt es sie nur als Traum, oder auch als Trauma? Welche Rolle spielen die Sprache, die Stimme und die Sinne darin? Ist die Verführung eher etwas intimes und erotisches, oder ist sie vielmehr etwas, was die Macht und das Soziale uns suggeriert oder aufdrängt, um es uns sofort wieder zu rauben? Oder, vielleicht, — um auf diese Art erweckte erotische Lust in die Produktions- und Konsumlust umzuwandeln? Fest steht jedenfalls: Die Verführung ist etwas unmittelbares und natürliches, da die Tiere nicht auf uns Menschen gewartet haben, um von uns die Verführung zu lernen, sondern umgekehrt.

Wie hängt nun die Verführung mit der Weiblichkeit, der Erotik, der Sinnlichkeit und der Zärtlichkeit zusammen? Sind es vier Säulen oder Sputniks der Verführung? Das werden wir in den zahlreichen Übungen, Ritualen und im Austausch herausfinden.

Ich lade euch Frauen und Männer ein, euch mit der ursprünglichsten Kraft, der weiblicher Kraft par excellence, zu beschäftigen.

* Dajana Dorfmayr. „Jean Baudrillards „Pathos der Distanz“. Annäherung an das Andere in Verführung und Liebe“. S.8.

Kosten: 120 CHF pro Person / 200 CHF pro Paar, inklusive Frühstuck, Mittagessen und Getränke

Anmeldung: Per Mail oder telefonisch: +41 (0) 788 737 122

Lesestoff (nicht notwendig, aber äusserst hilfreich):
Von der Verführung von 
Jean Baudrillard, Matthes & Seitz Berlin, Taschenbuch

Elias Kirsche (Jahrgang 1982) ist leidenschaftlicher Eros-Aktivist, Schriftsteller und Suchender, ein echter Lebenskünstler. Nach der Lehre als Grafiker in Dortmund (2000-2003) studierte er zuerst Philosophie, Kulturwissenschaften und Kunstgeschichte an der Humboldt Universität in Berlin (MA 2013) und später Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut bei der Hochschule der Künste Bern (BA 2018). Er durchführte einige Projekte im Bereich erotischer Kultur und Kunst und verdiente während des Studiums seinen Lebensunterhalt als Berührer und Massage-Ausbilder.

In den Jahren 2008-2010 betrieb Elias einen offenen Tantra- und BDSM-Kreis in Berlin. Von 2013 bis 2016 leitete er eine Community für erotische Kultur im Web und performte nackt an öffentlichen Plätzen in Zürich, Biel und Zagreb. Im Jahr 2016 schrieb er das Erotik-Manifest, in dem er für ein Sexrecht für alle Einwohner Europas ab 13. Jahren plädierte.

Heute lebt Elias mit seiner dritten Ehefrau und Tochter Michelle in Biel. Er schreibt am „Sexyland“, einem dystopischen Roman über die Zukunft der Geschlechter. Verführung, Erotik und Begehren sind drei Interessengebiete von Elias. Drei Aspekte unseres gemeinsamen Seins, die ihm wirklich am Herzen liegen