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Inhale - Exhale - Pause.

FLOW – von 1. Oktober bis 5. November 2015 in Zürich Höngg

Photographie: Marc Lüthi – Silikon-Malerei: Alina Kopytsa – Text: Elias Kirsche

Jede Bewegung sehnt sich nach einem Punkt des Innehaltens.

In einer Zeit voller formaler Kunst schlagen wir als Alternative ein persönliches und auf mehreren Ebenen verwobenes Projekt vor.

In der Geschichte – der Schreibfluss, der eine Situation herauskristallisiert.
In der Fotografie – das Wasser im oszillierenden Fluss intuitiv der Zeit entrissen.
In der Malerei – der Fluss der Bewegung, der sich auflöst in der Ekstase des Momentes.

Plakat-FLOW

 

FLow-Konzept in PDF

Die Vorgeschichte

Als Elias im Herbst 2013 wegen neuen gesetzlicher Lage seine Wohnung und sein florierendes
Geschäft in Zürich aufgab und nach Biel zog kannte er Marc noch nicht. Marc lebte in Biel und
befand sich in dieser Zeit in einer Krise: Innerhalb weniger Tage überstürzten sich die Ereignisse.
Ein schwieriges Ende einer Liebesbeziehung, Ein Wohnungseinbruch mit dem einhergehenden
Verlust der Endfassung einer Videokunstarbeit gefolgt vom Auszug aus der gemeinsamen
Wohnung mit Nadia liessen viel Leere zurück. Auch Elias ging es damals nicht gut: neben
finanziellen Sorgen befand er sich im komplizierten Scheidungsverfahren mit seiner ersten
Ehefrau, weshalb er seine neue Liebe Alina, eine bildende Künstlerin, die in der Ukraine lebte,
nicht heiraten durfte. Anders konnte das Paar nicht zusammen sein. In der Ukraine drohten die
Revolution und der Bürgerkrieg. Die Fragen der Grenzen, der Heirat und der gemeinsamen
Zukunft wurden dringender, jedoch nicht leichter lösbar. Es war November, ein trüber,
regnerischer, nebliger Monat. Die Zeit stand still.

Die Flucht

Alle drei suchten nach Auswegen in der Kunst.
Elias ging in Biel regelmässig unter dem Regen spazieren und verfasste eine melancholische
Novelle. „Der ewige Regen – Fragmente einer Nostalgie“ handelt von routiniert-existentielle Sorgen
einer auf den ersten Blick „normalen“ Familie in einer kleinen Stadt am See, der Regen, der
plötzlich beginnt und nie wieder aufhört. 40 Fragmenten wurden Elias‘ ersten Frau gewidmet und
markierten den Abschied. Sie spiegelten das, was das Sein mit Katrin sein könnte, jedoch nie
gewesen war, wider.

Auch Marc ging zu dieser Zeit den gleichen Weg am Ufer des Bieler Sees unter dem Regen. Auch
er wurde durch den unaufhörlichen Oszillationfluss des Wassers inspiriert und thematisierte ihn in
einer Photoserie über Stimmungen kristallisierten Wasserbewegungen, ohne Elias je
kennengelernt zu haben. Einmal fotografierte Marc die Birke unter dem Regen, genau den Baum,
der direkt vor dem Fenster des Elias‘ Zimmers in Biel wuchs und den er ebenfalls in seinem Text
beschrieb. Monate später lernte Marc zufällig via Internet Alina kennen.

Alina entdeckte für sich damals das Material Silikon. Die Künstlerin, die sich mit
Körpertechnologien und der weiblichen Sexualität auseinandersetzte, war von der flüssigen
Substanz, aus der künstliche Brüste produziert werden, fasziniert. Alina mischte Silicon mit
Pigmenten und kreierte somit Werke, die Begegnungen von nackten Menschen in seltsamen
Posen abbildeten. In dieser kreativen Phase reiste sie zu Elias in die Schweiz und registrierte sich
als Modell in einer virtuellen Kartei. Dort fand sie Marc zum ersten Mal als er nach Models suchte.
Er lud Alina zu einer Fotoshooting ein.

Die Begegnung
Als Alina und Elias im Mai 2015 endlich heiraten dürften war Marc der Hochzeitsfotograph des
Paars. Erst bei der Zeremonie lernte Elias Marc kennen, der seinen Text bereits früher im Internet
las. Beide Männer waren von den vielen zusammenfallenden Ereignissen erstaunt, die die
Entstehung ihrer Arbeiten zelebrierten. Im August gingen alle drei zusammen nach Deutschland
und verbrachten zwei Nächte in einem Nürnberger Hotel. Dort ist die Idee einer gemeinsamen
Ausstellung in der von Alina und Elias neu gegründeten Zürcher Galerie SomArtiS entstanden.
Die Ausstellung „FLOW“ thematisiert den Fluss des Wassers und der Zeit. Es ist der Fluss, der
Menschen nicht nur trennt, sondern verbindet, der die Begegnungen initiiert und wieder beendet.
Das Flüssige symbolisiert das Leben, das Begehren, die Hingabe, die Vereinigung, die
Entspannung. Es steht aber auch für Tränen und Trennen, für Nostalgie, Melancholie und Utopie.
Der Fluss ist das, was war, was ist, was möglich wäre und was niemals Wirklichkeit sein wird.
Also, halten wir an nichts fest, lassen wir es fliessen.